Wie oft Tennisschläger bespannen?

Wie oft solltest du deinen Tennisschläger neu bespannen lassen?
Du stehst auf dem Platz, der Aufschlag sitzt eigentlich wie immer – aber irgendwas fühlt sich komisch an. Der Ball poppt nicht mehr richtig vom Rahmen ab, du brauchst auffällig mehr Kraft für dieselbe Power. Einen Saitenriss merkst du sofort. Eine erschöpfte Saite merkst du oft erst, wenn du sie mit einer frischen vergleichst – und genau das ist das Problem.
Die Faustregel zum Einstieg
In fast jedem Ratgeber liest du dieselbe Grundregel: So oft du pro Woche spielst, so oft solltest du im Jahr neu bespannen lassen. Spielst du zweimal die Woche, wären das also zwei Bespannungen im Jahr.
Ich nutze diese Regel bei Kunden gern als ersten Anhaltspunkt – mehr aber auch nicht. Am Ende zählt für mich nicht der Kalender, sondern wie sich deine Saite wirklich noch anfühlt.
Warum die Saite stirbt, auch ohne zu reißen
Die Saite ist der Motor deines Schlägers. Mit jedem Schlag verliert sie ein kleines Stück Spannkraft – das ist normale Materialermüdung, kein Defekt. Hitze, Kälte und selbst längeres Lagern im Schlägerbag tun ihr Übriges. Das Resultat: Dein Schläger spielt sich langsam „tot“, lange bevor irgendetwas reißt.
Es kommt stark aufs Material an
- Polyester (z. B. in „The Sniper“ oder „The Spin Monster“): verliert vergleichsweise schnell an Spannung, franst aber kaum aus. Statt Fasern siehst du eher Kerben an den Kreuzungspunkten – das eigentliche Warnsignal ist hier das nachlassende Gefühl, nicht die Optik.
- Multifilament (z. B. in „The Elbow Saver“): zeigt Verschleiß sichtbar – kleine Fasern lösen sich an der Oberfläche.
- Hybrid-Setups (mein Standard, „The Club Champ“): Mains und Crosses altern unterschiedlich schnell, je nach Material und Spannung. Genau deshalb stimme ich bei Hybriden beide Saiten bewusst unterschiedlich ab, statt einfach beide gleich zu bespannen.
5 Anzeichen, dass deine Bespannung durch ist
- Der Ball „klebt“ nicht mehr, fühlt sich beim Treffen flach/tot an
- Du musst merklich härter schlagen für gleiche Power
- Spin lässt nach, obwohl deine Technik gleich geblieben ist
- Sichtbare Kerben an den Kreuzungspunkten (v. a. bei Poly)
- Ausgefranste, aufgeraute Fasern (v. a. bei Multifilament/Naturdarm)
Richtwerte für deinen Spielertyp
- Gelegenheitsspieler (ca. 1x/Woche): alle 6–12 Monate
- Vereins- und Medenspieler (2–3x/Woche): alle 2–3 Monate, auf jeden Fall einmal vor der Medenrunde
- Turnierspieler/Vielspieler mit Poly: alle paar Wochen bzw. nach 10–15 Spielstunden, vor wichtigen Matches grundsätzlich frisch
Was ich beim eigenen Testen gelernt habe
Eine Sache, die in den meisten Ratgebern fehlt: Auch eine brandneue Bespannung braucht eine kurze Einspielzeit. Bei meinem letzten Test einer Lynx Tour/Velocity MLT-Hybrid hat sich der Schläger erst nach ungefähr anderthalb Stunden Doppel wirklich „eingespielt“ angefühlt. Wenn deine frische Bespannung sich in den ersten Bällen also noch nicht perfekt anfühlt – keine Sorge, das ist normal und kein Zeichen für eine falsche Bespannung.
Du musst dir kein Datum im Kalender markieren
Die Faustregel ist ein guter Startpunkt, aber dein Gefühl auf dem Platz ist der bessere Indikator. Wenn du unsicher bist, ob deine Saite noch mitspielt: Schreib mir einfach kurz, wie sich dein Schläger aktuell anfühlt – gemeinsam finden wir dann das passende Setup für dich, egal ob du in Kassel, Baunatal, Vellmar oder einem der umliegenden Clubs spielst.

Über Jan Spatschek
Als aktiver Medenspieler beim TC31 Kassel weiß ich aus eigener Erfahrung: Die richtige Saite ist der Motor deines Schlägers. Deshalb besaite ich dein Racket mit absoluter Hingabe zum Detail und dem Wissen, worauf es auf den Plätzen in und um Kassel ankommt.
